Freitag, 13. Juni 2014
Zirkuswelt - Heile Welt?
Ob in der Zirkuswelt alles immer glatt geht? Die Darbietungen, weil geprobt, meistens ja. Aber ob das Leben beim Zirkus leichter fällt, als im rest der gesamten Welt, möchte ich bezweifeln. Obwohl hier Mensch und Tier scheinbar gut miteinander auskommen, bleiben die Probleme, die zwischen Mensch und Menschen nicht nur in der "normalen" Welt, sondern auch in der Zirkuswelt erhalten. Im Zirkus "Maximus" war Werner Vogt der Held. Als Löwendompteur war er bei jeder Vorstellung der Höhepunkt des Abends, die Sensation. Aber leider, so gut er mit den Löwen umgehen konnte, mit den vierbeinigen Großkatzen, um so schlechter konnte er mit den Zweibeinern, sprich mit den Menschen umgehen. Das musste besonders sein Assistent immer wieder schmerzlich feststellen.
" Jakob, mach endlich die Löwenkäfige sauber, du fauler Hund." schrie Bernhard Vogt seinen jungen Helfer an. " Es ist immer dasselbe, immer wartest du bis diese vor lauter Dreck stinken. Also endlich ran an die Arbeit."
Mit den Tieren kannte sich Vogt bestens aus, aber sonst war er ein grantiger grober Kerl. Das merkte vor allem seine Frau Simone und sein Helfer bei der Arbeit, Jakob Klein. Es kam nicht selten vor, dass Vogt seine Frau schlug, dass Jakob überhaupt nicht gefiel. Er fand nämlich die Frau Vogt nicht nur nett, sondern auch sehr hübsch, was aber sein Geheimnis war. Auch er hat schon mal die eine oder andere Ohrfeige von Bernhard Vogt einfangen müssen. Er hat sich das sich immer gefallen lassen, weil er nicht so stark war wie Vogt, aber er schwor sich selber, dass Vogt das eines Tages alles wieder kriegen würde. Jedoch wie Jakob das anstellen sollte, wusste er noch nicht. So verging Tag um Tag, wo Jakob sich anschreien und beschimpfen lassen musste. Und ausserdem musste er sich jeden Tag mit ansehen, wie schlecht Vogts seine Frau behandelte, in die Jakob sich über beide Ohren verliebt hatte.
Am meisten hatte Jakob vor Vogt Ruhe, wenn dieser in der Manege mit seinen Löwen im Käfig arbeitete. Wie oft hat er davon geträumt, dass Vogt von einem seiner eigenen Löwen angefallen und getötet wurde. Aber die Löwen waren alle zahm wie Lämmer, wenn Vogt mit seiner Peitsche auf den Zirkusboden knallte. Ausser ein sehr kräftiger Löwe, war nicht so zahm wie die anderen, aber auch der hatte Angst vor der Peitsche Vogts. Vogt wusste aber auch ganz genau, dass dieser eine Löwe keine Angst vor ihm hätte, wenn Vogt einmal ihm gegenüberstehen würde ohne Peitsche. Deswegen schickte er immer diesen Löwen auch als ersten heraus aus der Manege, zurück in den Käfig, bei den Proben wie auch bei der Vorstellung am Abend. jedoch mit einem anderen, bei einem bestimmten Löwen ließ er die Peitsche weg und traute sich sogar in das Maul des Löwen seinen Kopf ein paar Sekunden zu halten. Das war die Sensation dieses Zirkus.
Jakob war bei dieser Nummer nur derjenige, der aufpassen musste, das der richtige Löwe zum Schluss noch einmal zurück in die Manege lief. Nach einer weiteren genialen Vorstellung von Vogt, als er den Kopf in das Maul von dem Löwen steckte, kam Jakob endlich auf eine Idee, wie er sich rächen konnte an Vogt, für all die Demütigungen und Beschimpfungen, die er über sich ergehen lassen musste. Und vielleicht hatte er ja dann auch eine Chance bei Simone Vogt zu landen.
Eines Abends kurz vor dem Auftritt von Bernhard Vogt, war sein Assistent sichtlich nervös. " Was ist los mit dir, Jakob. Du zitterst ja richtig. Du brauchst ja nicht zu den Löwen reingehen, das mache ich schon. Du würdest dich ja sowieso nicht trauen," sagte Vogt zu Jakob und lachte laut. Jakob dachte bloss, wer zu letzt lacht, lacht am besten. Als Vogts Löwen nacheinander alle raus aus der Manege gelaufen waren, wie immer, der für Vogt gefährlichste Löwe als erster, wartete Vogt nun auf sein "zahmes Kätzchen" , wie er den Löwen nennt, dem er zuletzt ohne Peitsche gegenüber steht, und seinen Kopf in das Maul des Löwen hält. Vogt schaute lässig auf den Gang wo der Löwe immer rauskommt. Auf einmal sah er den Löwen angelaufen kommen und Vogt wurde kreidebleich. Denn er erkannte den Löwen sofort, es war der Löwe, der vor Vogt nur Angst hatte, wenn er eine Peitsche in der Hand hielt. Vogt versuchte noch schnell das Weite zu suchen und irgendwie aus der Manege zu kommen, doch es war zu spät. Der Löwe hatte ihn bereits angefallen und tötlich verletzt. Als alle Zirkusbesucher gegangen waren, die natürlich alle einen riesen Schock hatten, und alle dachten, was für ein schlimmer Unfall, war eine Person im Zelt, die lachte ganz ganz laut, natürlich nur innerlich. Es war Jakob, der innerlich lachte, weil er es war, der den gefährlichen Löwen in die Manege getrieben hatte, dachte er ausserdem noch:" Wer zuletzt lacht, lacht am Besten."
Auch in der Zirkuswelt geht nicht immer alles glatt. Sei es in den zwischenmenschlichen Beziehungen oder bei den Darbietungen, oder beides.
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