Freitag, 10. August 2018

Der Zeitungsjunge










                                                       Der Zeitungsjunge

Oliver Poste ist ein Junge von 14 Jahren. Da er nicht so viel Taschengeld bekommt trägt er in seiner Freizeit Zeitungen aus. In der Woche trägt er verschiedene TV Zeitschriften aus und am Sonntag ein Wochenmagazin. So hat er die ganze Woche etwas zu tun. Das austragen von Zeitungen macht ihm aber großen Spaß. Und außerdem kann er sich die eine oder andere Anschaffung machen. Vor kurzem hat er sich eine neue Kamera gekauft. Er fotografiert schon seit Längerem Landschaften, und allgemein fotografiert er gerne die Natur und auch Tiere. Mit seiner neuen Kamera kann er die Bilder die er schießt, auch sehr nah heran zoomen.
Als er mal wieder Zeitungen herumbringt und dass am Waldesrand, wo ein alter Mann wohnt der von ihm jede Woche eine Fernsehzeitung ausgetragen bekommt, sieht er ein Reh am Weg stehen. „ Das Reh sieht aber gut aus und ich habe noch gar kein Reh fotografiert, “ sagt er zu sich selbst und holt schnell seine neue Kamera heraus um ein Foto von dem Reh zu machen. Als er meint, dass das Reh gut positioniert da steht, macht er einige Fotos von dem Tier. Mit seinem Zoom hatte er das Tier nahe heran geholt. Wenn er später zu Hause war, wollte er die Bilder auf seinem Computer ausdrucken lassen. Er ging zu dem Haus des alten Mannes und wollte ihm eine Zeitung hinlegen, dabei sah er dass der Mann die Tageszeitung, die eine Frau aus dem Dorf immer zu stellt, noch nicht ins Haus geholt hatte. Er schellte an der Haustür aber keiner machte auf. Er ging um das Haus herum und rief nach dem alten Mann. „ Herr Wehrmann. Sind sie zu Hause?“ Aber Herr Wehrmann schien nicht zu Hause zu sein. Oliver stieg wieder auf sein Fahrrad und fuhr nach Hause. Für heute hatte er Feierabend. Seine Mutter Barbara Poste wartete schon auf ihn. Sie hatte für das Abendbrot schon den Tisch gedeckt zu Hause. Der Vater von Oliver musste auch schon bald nach Hause kommen. Oliver wartete mit seiner Mutter auf Papa Frank. Frank Poste arbeitete in einer Schlachterei als Metzger. Er brachte schon mal das eine oder andere Fleischstück mit nach Hause. Auch heute brachte er Schnitzel aus der Oberschale mit. Seine Frau machte sofort die Pfanne heiß und bereitete die Schnitzel zu. Oliver lief das Wasser im Mund zusammen, als er die Schnitzel in der Küche roch. „ Mama, wann sind die Schnitzel fertig, ich habe so einen Hunger, “ sagte Oliver zu seiner Mutter. Sein Vater sagte: „ Oliver. Ein bisschen Geduld.“ „ Aber ich habe solch einen Hunger. Das kommt vom Fahrrad fahren, Papa.“ Als Olivers Mutter die Schnitzel auf den Tisch stellte, nahm Oliver sofort mit der Gabel ein Stück auf seinen Teller und wollte anfangen. „ Moment, Olli. Erst beten wir.“ Oliver betete ein Tischgebet.

















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Er sprach etwas schneller als sonst, weil er so einen Hunger hatte. Oliver ging dann auch schnell in sein Zimmer und wollte die Fotos von der Kamera auf seinen Computer herunterladen. Das ging problemlos. Dann druckte er die Fotos aus. Das Reh war sehr groß und schön scharf zu sehen auf den Bildern. Aber der Hintergrund vom Bild war sehr verschwommen. Oliver legte die Bilder zufrieden an die Seite.
Am nächsten Morgen musste Oliver wieder in die Schule, in die 8. Klasse des städtischen Gymnasiums in Zollwerk. Von Moosberg, wo er mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Johannes wohnt, bis Zollwerk sind es gerade mal 7 Kilometer. Im Herbst fuhren  die Brüder immer mit dem Bus, aber im Frühling und Sommer fuhren sie auch schon mal mit dem Fahrrad zur Schule. Im Moment, es ist Ende Oktober, wurde es schon früh dunkel abends in Moosberg. Wenn Oliver, im Moment nach Hause kam von der Schule, musste er zum Ende, als er alle Zeitungen ausgetragen hatte fast im Dunkeln nach Hause. Aber sein Fahrrad war funktionstüchtig, besonders auch die Lichter waren beide heile. Aber in Moosberg waren die Strassen nicht so viel befahren wie zum Beispiel in Zollwerk. Moosberg hatte ca. 1200 Einwohner. Wobei Zollwerk, wo die beiden Jungs von Barbara und Frank Poste zur Schule gingen, eine Kleinstadt von 14 000 Einwohnern. Barbara war Hausfrau und Mutter und Frank Metzger in der Schlachterei von Zollwerk.
Oliver war ein Junge der gerne Zeitungen austrug und er war auch sehr nett zu allen Leuten. Er war sehr fleißig und brachte jeden Tag Zeitungen zu den Leuten. Es war um halb vier als er wieder einmal mit dem Fahrrad in Moosberg unterwegs war und zu dem Haus von Herrn Wehrmann kam sah er dass der Briefkasten voll war. Der musste tagelang nicht geleert worden sein. Die Zeitung, die Oliver selber vor die Haustür gelegt hatte, lag unberührt immer noch da, wo er sie hingelegt hatte. Auch lagen schon mehrere Tageszeitungen daneben. Herr Wehrmann muss verreist sein, dachte Oliver als erstes.
Aber als nach 7 Tagen Herr Wehrmann immer noch niemand gesehen hatte im Dorf, machten sich viele Dorfbewohner so langsam sorgen. Niemand wusste wo er sein konnte. Schließlich verständigte der Ortsvorsteher von Moorberg, Walter Binse, die Polizei.
„ War denn schon jemand im Haus?“ fragte Kommissar Schanz. „ Nein, ins Haus kam ja niemand rein, “ sagte Walter Binse. „Aber der Zeitungsjunge Oliver Poste fiel als ersten auf, dass die Zeitungen vor der Tür lagen bei Herrn Wehrmann.“ „ Und wo ist dieser Zeitungsjunge jetzt?“ fragte Kommissar Schanz den Ortsvorsteher. „ Der ist jetzt glaube ich bei seinen Eltern zu Hause.“ „ Den möchte ich auf jeden Fall sprechen, diesen Zeitungsjungen.“ „ Ich zeige ihnen nachher den Weg zu der Familie Poste, “  Herr Kommissar.















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Aber zuerst machte die Polizei die Haustür auf bei Herrn Wehrmann. Aber nachdem die Polizei überall im Haus geguckt und nachgesehen hatte, kamen die Beamten von der Polizei
wieder aus dem Haus heraus ohne Herrn Wehrmann. Und nachdem die Nachbarn  alle befragt wurden und niemand etwas von einem Urlaub oder einer Fahrt wussten, die der alte Wehrmann machen wollte, suchten die ersten Polizisten nach dem alten Mann in der näheren Umgebung von seinem Haus, welches am Waldrand steht. Nachdem sie alles abgesucht hatten für das erste, galt Herr Wehrmann als vermisst. Er war wie vom Erdboden verschluckt.
Kommissar Schanz fuhr mit seinem Dienstwagen zu dem Haus der Familie Poste. Er wollte Oliver Poste sprechen. Schanz klingelte an der Haustür und Olivers Mutter ging an die Tür. „ Guten Morgen, “ sagte Frau Poste zu dem Kommissar. „ Guten Morgen. Frau Poste?“ „ Ja. Was möchten sie?“ „ Mein Name ist Schanz. Ich bin von der Polizei. Ich möchte bitte ihren Sohn kurz sprechen. Den Oliver Poste.“ „ Warum? Ach bestimmt wegen des Verschwindens vom alten Wehrmann.“ „ Genau, Frau Poste. Ist er zu Hause der Oliver?“ „ Ja. Aber kommen sie doch ins Haus.“ Frau Poste ging mit dem Beamten von der Polizei ins Haus. Als sie im Flur standen sagte sie: „ Gehen  sie doch bitte hier in die Stube hinein. Ich werde Oliver holen.“ Frau Poste ging aus der Stube und kurz danach kam sie mit Oliver wieder in die Stube hinein. „ Das ist unser Sohn Oliver.“ „ Guten Morgen, Oliver. Du bist also der Zeitungsjunge aus Moosberg. Dir war aufgefallen, dass Herr Wehrmann keine Zeitungen mehr ins Haus holte. Wann war das genau?“ „ Genau vor einer Woche. Ich brachte die Fernsehzeitung zu ihm und sah, dass die Tageszeitung noch vor der Tür lag. Ich ging um das Haus und rief nach Herrn Wehrmann, aber es meldete sich niemand.“ „ Wie spät war das ungefähr, Oliver?“ So ungefähr 16 Uhr. Herr Wehrmann ist, weil er so weit aus dem Dorf vor dem Waldrand wohnt meist meine letzte Station. Danach fahr ich nur noch nach Hause und bin fertig mit Zeitung austragen. Und das ist ungefähr immer um die gleiche Zeit.“ Und hast du dem Herrn Wehrmann am Tag zuvor noch eine Zeitung gebracht?“ „ Ja. Das weiß ich genau. Weil ich bei ihm noch kassiert habe. Er gab mir wie immer am letzten Tag des Monats das Geld für die Zeitungen. Er gab mir immer ein kleines Trinkgeld.“ „ Und ist dir irgendetwas aufgefallen bei Herrn Wehrmann?“ „ Nein. Er war so wie immer freundlich.“ „ Na gut, Oliver. Danke für die Auskünfte. Das wäre es erst einmal. Frau Poste, begleiten sie mich bitte hinaus?“ „ Aber ja. Bitte kommen sie mit.“ „ Tschüss Oliver.“ „ Tschüss, Herr Kommissar.“ „ Vielleicht habe ich noch Fragen an Oliver, Frau Poste. Sagen sie ihm das bitte.“ „ O.K. Das mache ich.“ Oliver fragte sich: „ Wo ist der alte Wehrmann wohl abgeblieben.“








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Er ging wieder in sein Zimmer. Er schaute sich noch einmal die Bilder von dem Reh an, was er vor einer Woche, an dem Tag wo Herr Wehrmann verschwunden ist mit seiner Kamera geschossen hatte. Als er sich so die Bilder anguckte, fand er ein Bild wo das Reh nicht so gut zu sehen war, aber der Hintergrund dafür besser. Bei Allen anderen Bildern war es umgekehrt. Er schaute sich dieses Bild genauer an. Und als er so auf das Bild schaute fiel ihm etwas auf. Wenn man ganz genau hinguckte sah man etwas im hohen Laub liegen. Und es sah so aus als ob sich jemand über dieses Etwas im Laub bückte. Oliver versuchte das Bild zu vergrößern und schaffte das auch. Und plötzlich sah er ganz genau, dass ein Mensch im Laub lag und eine Gestalt sich darüber bückte. Er konnte nicht erkennen, wer das war. Er konnte aber genau sehen, dass es zwei Gestalten waren die er da wohl zufällig auf sein Bild mit aufgenommen hatte, als er das Reh fotografierte.
Er fuhr mit dem Fahrrad zu der Stelle wo das Reh stand und schaute auf das Bild, welches er mitgenommen hatte um sich ein bisschen orientieren zu können. Er ging ein Stück in den Wald hinein und suchte die Stelle am Waldrand wo die Gestalten auf dem Foto zu sehen waren. „ Hier musste es irgendwo sein, “ sagte er zu sich selber. Er guckte auf den Boden, wo viel Laub liegt, und suchte nach Spuren oder irgendeinen Hinweis darauf ob hier jemand gelegen haben konnte. Er suchte eine ganze Weile, aber er schien nichts zu finden. Er wollte schon wieder weg gehen, als er plötzlich etwas glitzern sah im Laub. Er bückte sich und wühlte mit der Hand im Laub. Da. Auf einmal hatte er etwas in den Fingern und hob den Arm zum Gesicht um zu sehen was er da wohl gefunden hatte. Es war eine Silberkette mit einem Medaillon auf dem etwas geschrieben war. Es war schon etwas verblasst, aber er konnte noch genau lesen was darauf stand: „ Ich bin Diabetiker, “ stand auf der Vorderseite und auf der Rückseite des Medaillons stand ein großes „W“ drauf. Oliver dachte nach. War der Wehrmann nicht Diabetiker. Und das große „ W“ passte auch dazu. Ja, das ergab einen Sinn. Plötzlich schaute er sich um. War da nicht ein knacken zu hören. Er schaute sich schnell nach Allen Seiten um und sah aber niemanden. Vielleicht war das ein Tier? Er wollte auf jeden Fall nicht länger in dem Wald bleiben. Er ging zu seinem Fahrrad und fuhr schnell wieder nach Hause. Dort ging er direkt in sein Zimmer ohne von jemand gesehen zu werden. Er legte das Bild und die Kette in eine Geldkassette, in der er sein Erspartes aufbewahrt hatte. Plötzlich ging die Tür von seinem Zimmer auf und sein kleiner Bruder Marcel kam hinein. „ Du sollst doch anklopfen bevor du in mein Zimmer kommst, dass habe ich dir schon ein paar Mal gesagt.“ Schnell schloss er die Geldkassette ab und legte sie in die Nachttischschublade.

















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Gott sei Dank sah sein jüngerer Bruder nicht, dass er das tat. „ Was willst du, Marcel?“ „ Ich dachte wir können ein bisschen spielen. Mensch ärgere dich nicht.“ „ Ich habe mich aber schon geärgert, weil du nicht anklopfen kannst.“ „ Komm sei doch nicht so.“ „ Nein Marcel. Das musst du noch lernen. Und übrigens wollte ich gerade nach Mathias fahren mit dem Fahrrad. Wir können vielleicht nachher noch etwas spielen. O.K., Marcel.“ „ Na gut. Von mir aus. Aber nachher spielst du bestimmt mit mir?“ „ Versprochen.“ Marcel ging langsam wieder aus Olivers Zimmer heraus und verschwand in seinem eigenen Zimmer. Oliver ging in die Küche und sagte seiner Mutter dass er zu Mathias fahren wollte. „ Olli. Aber zum Abendbrot bist du wieder zu Hause. Schließlich ist morgen Schule. Noch einen Tag. Dann habt ihr Wochenende.“ „ Dann darf ich aber länger zu Mattes, Mutti. Einverstanden?“ „ Ja einverstanden. Also mach es gut. Bis nachher.“ Oliver fuhr mit dem Fahrrad zu seinem Freund Mathias. Auf dem Weg dorthin musste er an das Bild und die Kette denken. Er wusste nicht genau ob er Mathias was davon erzählen sollte. Die beiden machten viel zusammen. Später einmal wollten sie Detektive werden. Das fanden beide spannend. Rumschnüffeln machte Spaß fanden beide Freunde.
Oliver kam bei Mathias an, und der stand schon in der Haustür, weil er auf Olli wartete.
„ Hast du schon gehört Olli, der alte Wehrmann ist verschwunden.“ „ Ja sicher. Ich habe es doch als erster bemerkt. Die Polizei hat mich schon befragt. Wann ich den Wehrmann zuletzt gesehen habe und so.“ „ Und wann hast du ihn zuletzt gesehen?“ „ Ein Tag vor seinem Verschwinden habe ich noch Geld kassiert bei ihm. Und am nächsten Tag lag die Tageszeitung vor der Tür. Ich ahnte schon, dass da etwas nicht stimmte.“ „ Und nun ist er weg, Olli. Das wäre doch ein Fall für uns. Keiner weiß, wo er ist. Jetzt können wir mal zeigen was wir schon drauf haben als Detektive.“ „ Du hast Recht, Mattes. Das ist unsere Chance.“ Die beiden Freunde unterhielten sich weiter über das Thema „ Wehrmann“, als Olli plötzlich sagte: „ Du Mattes. Ich muss dir was sagen.“ „ Ja. Was denn. Erzähl doch.“ „ Du Mattes. Ich glaube ich habe schon ein paar Hinweise für den Fall „Wehrmann.“ „ Olli. Und das sagst du erst jetzt. Erzähl.“ „ Ich habe doch eine neue Kamera, wie du ja weißt. Und damit habe ich ein paar Fotos gemacht am Waldrand. Ich habe ein Reh vor die Linse bekommen. Schöne Fotos. Aber auf einem Foto sieht man im Hintergrund wie jemand im Laub liegt. Ein Mensch. Und ein anderer beugt sich über den Mann.“ „ Und wer ist es, Olli.“ „ Das kann man nicht genau erkennen, aber es war in der Nähe von Wehrmanns Haus.“ „ Und weiter, ich meine hast du dort schon geguckt?“

















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„ Ja, und ich fand an der Stelle eine Silberkette im Laub.“ Hast du die Kette mit? Und das Foto?“ „ Nein. Aber sie sind sicher in meinem Nachttisch in meiner Geldkassette
versteckt. Übrigens auf einem Medaillon an der Kette steht:“ Ich bin Diabetiker.“ Und auf der Rückseite ein großes „W“. Und du weißt doch, dass der Wehrmann Diabetiker ist.“ „ Mensch Olli. Musst du nicht damit zur Polizei?“ „ Aber Mattes, hast du nicht vorhin noch gesagt, dass ist unsere Chance.“ „ Ja das habe ich. Aber wer weiß, was da passiert ist, Olli.“ „ Ach, Mattes. Wir werden dass schon heraus finden. Und wenn wir nicht weiterkommen, können wir immer noch der Polizei das Bild und die Kette zeigen.“
Mattes war nicht so richtig überzeugt, aber er stimmte Olli zu. Die beiden wollten erst einmal alleine ermitteln, da waren sie sich dann doch einig.
Oliver fuhr etwas später wieder nach Hause um rechtzeitig am Abendbrotstisch zu sitzen. Marcel war etwas böse auf Olli, weil der versprochen hatte mit ihm zu spielen. Aber die Mutter war zufrieden, dass Oliver früh genug wieder zurück war zum Essen.
Olivers Vater kam auch von der Arbeit nach Hause. Als die vier am Tisch saßen fragte der Vater: „ Olli, wie lange trägst du jetzt schon Zeitungen aus?“ „ Das sind jetzt fast genau zwei Jahre.“ „ Das finde ich richtig gut von Dir, Olli. Vor allem das du das schon so lange machst. Respekt. Und wie fotografiert deine neue Kamera? Hast du schon ein paar scharfe Bilder gemacht?“ Olli musste schlucken, wenn er an das Bild dachte, welches in der Nachttischschublade liegen hatte. „ Ja, habe ich.“ „ Und was hast du schönes fotografiert, Olli?“ „ Landschaftsbilder, Papa.“ „ Oh schön. Du kannst mir ja mal welche zeigen, wenn ich mal mehr Zeit habe.“ „ Ja das mache ich, “ sagte Olli kurz und bündig.
„ Übrigens, sag mal Barbara. Ist der Wehrmann wieder aufgetaucht?“ „ Nein, so weit ich weiß nicht.“ „ Da wird doch nicht etwas passiert sein, Barbara.“ „ Na, hoffentlich nicht, Frank. Vielleicht ist er nur mal weggefahren.“
An diesem Abend telefonierten die beiden Freunde Olli und Mattes noch kurz miteinander. Sie sprachen noch über ihren „ersten Fall“. Am nächsten Morgen als die beiden Schüler zur Bushaltestelle gingen in Moosberg um zur Schule zu fahren, waren sehr viele Polizisten im Dorf unterwegs. „ Die suchen den Wehrmann, “ sagte Olli. Hoffentlich finden die ihn bald.“
„ Ich hoffe auch.“ „Unser erster Fall kann noch gut ausgehen, aber wenn ich an das Bild denke, Mattes. Dann denke ich, dass da etwas passiert sein muss.“
Die Polizei durchkämmte das ganze Dorf um den alten Wehrmann zu finden, aber es gab keine einzige Spur von ihm.






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Die beiden Freunde Oliver und Mattes kamen schon wieder von der Schule nach Hause, da liefen die Polizeibeamten noch immer im ganzen Dorf umher. „ Willst du mich nicht begleiten  Mattes, wenn ich heute Nachmittag Zeitungen austrage? Dann können wir ja auch gleich nebenbei Ausschau halten nach dem alten Wehrmann.“ „ O.K. Ich komme gleich nach dem Mittagessen bei dir vorbei, Olli. Dann kannst du mir ja auch die Kette und das Foto zeigen.“ „ Alles, klar bis nachher.“
Mattes war in Olivers Zimmer und schaute sich die Kette und das Foto mit den zwei Gestalten an. Olli guckte auf den Flur ob sein Bruder Marcel nicht plötzlich in Olli Zimmer wollte. Auf keinen Fall wollte er, dass Marcel Wind von der Sache bekam. „ Das sieht nicht gut aus, “ sagte Mattes zu Olli. „Wenn das wirklich die Kette von Wehrmann ist, die du im Laub gefunden hast, und dann das Foto dazu sieht, muss man mit dem schlimmsten rechnen.“
Dann am späten Nachmittag, als die beiden Freunde die Zeitungen herum brachten und an der alten Mühle vorbei kamen sahen sie schon von weitem den Auflauf von Polizisten und Dorfbewohnern. Und als sie von den Fahrrädern stiegen, brachten die Polizei einen Mann der in ein Leichentuch gewickelt war, aus der Mühle. Es war der alte Wehrmann. Die Leiche wurde nach Zollwerk gebracht, wo sie zur Obduktion gebracht wurde. Olli und Mattes hatten für heute genug gesehen. So etwas hatten sie sich schon gedacht.
Olli und Mattes brachten die restlichen Zeitungen zu den Abonnenten und fuhren dann nach Mattes. „ Mattes was meinst du, wie ist der alte Wehrmann in die Mühle gekommen. Der Täter kann ihn unmöglich vom Waldrand, wo Wehrmann wohnt, bis in die Mühle getragen haben?“ „ Nein. Das geht gar nicht. Vielleicht mit einem Wagen?“ Das könnte sein Mattes. Oder in einer Schubkarre? Am besten wir gucken uns die Autos mal ganz genau an in Moosberg. Vielleicht ist ja einer beschädigt oder die Reifen sind verdreckt. Weißt du auf welche Idee ich gekommen bin,  Mattes. Komm mit ich habe da so eine Vermutung.“ Olli fuhr auf einmal wie ein geölter Blitz nach Hause, und kam mit einem Beutel und einer Flasche Wasser, wieder zurück. „ Komm Mattes wir fahren noch einmal zum Waldrand, ich möchte was gucken und vielleicht etwas ausprobieren.“ Mattes fuhr Olli einfach hinterher. Als sie am Waldrand beim Haus von Wehrmann waren gingen sie zum Waldrand und Olli fand, das was er vermutet hatte. Reifenspuren im Waldboden. Olli holte aus seinem Beutel den Gips und rührte ihn schnell mit Wasser in einem Behälter an. Dann kippte er den Gips in die Reifenspur und wartete einen Augenblick bis der Gips hart war. Er nahm das Stück Gips vorsichtig aus der Spur heraus und nun hatten sie einen schönen Gipsabdruck vom Reifenprofil eines Autos.
















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Olli war stolz auf sich selber und sein Freund Mattes war sowieso stolz auf seinen schlauen Freund.
Mattes fuhr am nächsten Tag wieder mit Olli Zeitungen austragen nach der Schule. Die beiden wollten sich einige Autoreifen im Dorf angucken. Sie fuhren durch den Ort und hielten den Gipsabdruck an die Reifen der Autos der Leute, die auch eine Zeitung von Olli zugestellt bekamen. Aber nachdem sie schon viele Autoreifen kontrolliert hatten fand sich keiner darunter, der mit dem Gipsabdruck übereinstimmte. Etwas enttäuscht fuhren sie wieder nach Hause. „ Mattes, wir kriegen das noch heraus wer den alten Wehrmann ermordet hat. Der Täter kriegt seine gerechte Strafe.“
Als die Jungs am Haus des alten Wehrmann vorbei kamen, sahen sie Licht im Haus. Schnell hielten sie mit den Rädern an und klingelten an der Tür. Sie warteten eine ganze Weile, aber dann machte ein junger Mann, der die beiden grimmig anschaute, die Haustür auf. „ Was wollt ihr denn?“ „ Wer sind sie?“ fragte Olli den jungen Mann. „ Wer fragt dass, du Rotzjunge.“ „ Mein Name ist Oliver und ich möchte wissen was sie im Haus von Herrn Wehrmann machen?“ „ Das geht dich gar nichts an. Du Fatzke.“ „ Mal sehen, was die Polizei dazu sagt?“  „ Ich glaube du spinnst.“ „Mal sehen ob die Polizei auch denkt ob ich spinne.“
Plötzlich wurde der Mann anders. „ Na gut. Ich bin der Sohn von Herrn Wehrmann. Aber jetzt verschwindet wieder. Ihr geht mir auf die Nerven.“ Olli beließ es dabei. „ Komm, Mattes. Wir verduften.“ Als sie zu Hause waren rief Olli bei Kommissar Schanz an und fragte ob es wahr war, dass der Sohn von Wehrmann das Haus jetzt schon bezogen  hat. Der Kommissar bestätigte das. Olli rief Mattes an und sagte am Handy zu ihm: „ Den Sohn von Wehrmann müssen wir genau beobachten. So spricht keiner der gerade seinen Vater verloren hat.“ „ Das finde ich auch Olli.“
Am nächsten Tag als Mattes und Olli zur Schule gingen, sahen sie von weitem den Sohn von Wehrmann an der Straße stehen. Bei ihm stand eine junge Frau, die mit ihm zu streiten schien. Die beiden stritten ziemlich laut so dass Olli und Mattes ein bisschen vom Streit mitbekamen. „ Lass mich bloß in Ruhe, “ sagte Wehrmann junior. „ Du hast ihn auf dem Gewissen, dass weiß ich ganz genau. Ich sollte alles erben. Wie hast du unseren Vater rum bekommen, du Erbschleicher.“ „ Pass auf was du sagst, Schwester. Sonst zeige ich dich an.“ „ Ja geh doch zur Polizei. Ich habe nichts zu verbergen. Aber du hast bestimmt genug auf dem Kerbholz.“ „ Ach weißt du was, denk doch was du willst, Schwesterchen.


















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Wehrmann ging wieder nach Hause und ließ seine Schwester einfach da stehen auf der Straße. „ Der alte Wehrmann ist noch nicht begraben, da streiten sich die Kinder schon um das Erbe, “ sagte Olli. „ Ob die gar nicht traurig sind, dass ihr Vater gestorben ist?“ fragte Mattes seinen Freund. „Mattes, heute geht es immer nur ums Geld. Traurig aber wahr. Komm wir gehen erst einmal zur Schule.“
Am Nachmittag fuhr Olli wieder zusammen mit Mattes seine Tour durchs Dorf. Die beiden überprüften hier und da die Autoreifen mit ihrem Gipsabdruck. Aber es wäre ja auch zu einfach, wenn man gleich den richtigen Reifenabdruck finden würde. Die beiden wussten, Detektivarbeit war mühsam und man musste manchmal viele kleine Puzzleteile zusammen fügen.
 
 

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