Ein Wanderfreund
Jens Vogel ist ein älterer Mann. Nicht mehr lange dann ging er in Rente. 65 Jahre alt, er hatte einen guten Posten als Bürokaufmann in einer Elektrofirma. Seine Verabschiedung hatte er schon hinter sich. Eine kleine Feier mit den ganzen Arbeitskollegen. Es war eine kleine Firma, sehr überschaubar. Sein Chef hat ihn gebührend gelobt und in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Heute ist der letzte Tag in seinem Büro. Einen Nachfolger gab es schon. Schließlich hatte Jens schon bei dem Gründer der Firma, dem Vater seines Chefs gearbeitet. Er kam erst nicht so richtig mit dem Juniorchef zurecht. Aber schließlich kamen beide sehr gut miteinander aus. Er zählte die Minuten im Büro. Plötzlich war es soweit. Jens geht endgültig in Rente. Er verabschiedete sich bei seinem Chef und seinem Arbeitskollegen im Büro und fuhr dann mit dem Wagen nach Hause. Seine Frau freute sich auf ihren Mann, der nun öfter zu Hause sein würde wie früher. Aber so ganz zu Hause sein, dass war für Jens dann doch nichts. Er hatte schon Pläne gemacht für seinen Ruhestand. Und zwar machte er schon seit längerer Zeit in seiner Freizeit Spaziergänge. Es macht ihm riesigen Spaß in der Feldmarkt oder auch auf Wanderwegen zu wandern. Seine Frau teilte diese Leidenschaft nicht mit ihm. Sie war lieber zu Hause und hielt das Haus und den Hof in Schwung. Jens hatte sich für den Ruhestand vorgenommen etwas mehr zu wandern als sonst. Es war sehr gesund. Jens hatte sich aber noch mehr vorgenommen als einfach zu wandern. Denn er wollte noch etwas schaffen und zwar wollte er es versuchen auf den Rennsteig zu wandern. Ein Wanderweg der es in sich hatte. Ca. 170 Kilometer lang. Er hat die Reise in den Thüringer Wald schon gebucht. Er würde in einer kleinen Pension aus starten. Dann würde er den ganzen Weg alleine entlang wandern und auf verschiedenen Stationen übernachten. Jens Vogel war ein zielstrebiger Mensch. Was er sich einmal vorgenommen hatte, das zog er auch durch. In einer Woche sollte es losgehen. Er hatte schon richtige Vorfreude. Und jeden Tag vorher sollte es schon losgehen mit dem Training für seine Tour auf dem Rennsteig. Aber er musste sich auch noch ausstatten vorher. Er hatte noch keine Wandersachen. Die musste er sich erst noch mal kaufen. Dafür fuhr er extra in ein großes Sportgeschäft in seiner Nähe. Er hatte sich vorher erkundigt und der Mitarbeiter des Sportgeschäftes sagte ihm, dass sie einige Produkte zum Wandern da hätten. Jens Vogel ging also in das Sportgeschäft und fand einen netten Mitarbeiter, der ihn gerne beraten wollte. Als erstes fing der Mitarbeiter an, Jens einige Wanderschuhe zu zeigen.
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Der Verkäufer erzählte Jens etwas zu den Schuhen. Nicht nur dass diese gut passen müssen, sondern sie dürfen auch nicht zu schwer sein. Jens hat nicht gedacht dass der Schuhkauf so schwierig sein würde. Er probierte gleich mehrere Modelle an. Und er ließ sich Zeit bei der Anprobe. Er ging mit den Schuhen ein paar Schritte hin und her. Er merkte schon einige Unterschiede, obwohl sie alle sich sehr ähnelten im Aussehen. Der Verkäufer sagte Jens dass das Profil des Schuhes nicht zu dick aber auch nicht zu dünn ausfallen sollte. Nach zwanzig Minuten hatte Jens Vogel ein passendes Schuhwerk gefunden. Nun kamen die Hose und Jacke. Jens war ein kleiner Mann, schwierig für den Verkäufer die passende Größe heraus zu finden. Aber schließlich fand der Mann die richtige Größe. Auch diese Anprobe dauerte eine Weile. Aber am Ende fand Jens die richtige Kleidung für sich. Er kaufte die Hose und auch die Jacke gleich zwei mal aber in verschiedenen Farben. Zum wechseln der Kleidung, hatte er gedacht. Und dann kaufte er noch einen Spazierstock. Der sollte schön breit sein, damit er überall die Stockschilder dran nageln konnte, um später sehen zu können wo er schon überall gewesen war. Er kauft einen hellbraunen, breiten Spazierstock, der ihm sehr gut in der Hand lag. Dann brauchte er noch einen Rucksack, wo er einiges unterbringen wollte auf seinen Wanderungen. Er setzte mehrere Modelle auf seinen Rücken, um zu sehen, ob sie bequem waren. Er fand auch ziemlich schnell einen sehr schönen Rucksack für sich. Und zum Schluss kaufte er noch einen Regenjacke für nasse und kalte Wanderungen. Als er auch die Regenjacke ausgesucht und anprobiert hatte, war Jens zufrieden gestellt. Der Verkäufer, aber auch Jens waren glücklich. Der Käufer hatte in kurzer Zeit ein gutes Geschäft gemacht und Jens war gerüstet für seine Wanderungen.
Als Jens zu Hause war zeigte er seine Errungenschaften seiner Frau Petra. Die staunte und sagte: " Da hast du dir aber schöne Sachen ausgesucht. Richtig schöne Wanderschuhe und Kleidung. Aber war bestimmt sehr Teuer alles zusammen?" " Ja da hast du recht, Petra. Aber für mein neues Hobby ist mir nichts zu kostspielig. Ich werde sofort einmal die Schuhe etwas einlaufen und gehe etwas spazieren. Hier bei uns in Albaxen gibt es ja auch schöne Wanderwege, und ein bisschen Training kann ja nicht schaden." Jens zog sich die Schuhe an und ging eine Runde um die Ortschaft in der er wohnte. Eine Stunde später war er wieder zu Hause. "Und," fragte Petra. " Sind sie bequem die Schuhe oder drücken sie vielleicht?" Jens antwortete: " Die sind super bequem. Ganz tolles Schuhwerk." Jens hatte die Reise schon seit längerem geplant. Er hatte schon so viel vom Rennsteig gehört und weil er gerne Spazieren geht, wollte er einmal sehen ob es wirklich so schön ist im Thüringer Wald, auf dem Rennsteig.
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Er hatte vor immer kleine Etappen zu machen und wollte dann vorsuchen ein Zimmer in einer Pension, an dem jeweiligen Ankunftsort, zu beziehen. Das müsste eigentlich klappen, so dachte er bei sich. Aber irgendwie war er aufgeregt. Er wollte zwar nur zehn Tage dort bleiben, aber ohne seine Frau und ganz alleine auf dem Wanderweg, auf dem Rennsteig. Hoffentlich ging alles gut, dachte er so bei sich. Seine Frau war auch aufgeregt. Aber er versprach ihr, dass er sie jeden Tag anrufen würde. Und mit den Handys heutzutage gar kein Problem. ER wollte mit dem Auto fahren zum Thüringer Wald. Und zwar wollte er in Hörschel a. Rennsteig seine Wanderung beginnen. Die nächsten Tage zu Hause gingen schnell vorbei. Er ging noch zur Bank um etwas Geld abzuheben von seinem Konto. Aber auch wo er hinwollte gab es Geldautomaten, wie fast überall heute. Also kein Problem. Er packte die nötigsten Sachen in eine kleine Reisetasche und tankte den Wagen noch schnell voll.
Der Tag war gekommen. Als er im Auto saß winkte seine Frau ihm noch hinterher und schon ging es los. Die Autofahrt nach Hörschel klappte prima. Und als er abends seine Frau anrief von seinem Zimmer aus war diese auch beruhigt, dass er sein erstes Ziel, gesund und munter, erreicht hatte. Er legte sich früh zum Schlafen, denn er wollte schon ziemlich früh los und wandern.
Der Wecker schellte laut und Jens wurde tief aus seinem Schlaf gerissen. Er war noch sehr müde als er seine Wandersachen anzog. Er ging um 5 Uhr 30 in der früh zum Frühstücken. Es schmeckte ihm sehr gut und er aß ein Brötchen mit Aprikosenmarmelade. Außerdem schmierte er sich zwei Brote mit Mettwurst und Kochschinken, die als Proviant für seine Wandertour gedacht waren. Um Punkt 6 Uhr ging er los. Und bevor er richtig los legen konnte musste er noch etwas machen. So zu sagen ist es ein Ritual der Wanderer des Rennsteigs. Fast alle machten es so. Jens tauchte sein Wanderstab ins Wasser und nahm ein Stein vom Ufer mit. Und das machten Alle um die Geister des Waldgebirges um gutes gelingen zu bitten. Nun ging es aber wirklich los. Vom Werraufer aus ging er los und war frohen Mutes. Heute würde er alleine 5 1/2 Stunden unterwegs sein. Es waren noch wenige Wanderer unterwegs um diese Zeit. Jens wollte das genau so haben. Er dachte, wenn so viel Los ist wie in einer Fußgängerzone zur Verkaufszeit, dann macht mir das Wandern auch keinen Spaß. Er ging nicht zu schnell los aber ohne zu bummeln. Er wusste, dass er sich die Strecke, die ungefähr 15 Kilometer lang war bis zu seinem nächsten Stopp, gut einteilen musste. Gut dass er so früh unterwegs war, denn die meisten Touristen schliefen im Urlaub etwas länger. Das kam für Jens nicht in Frage. Er wollte die Strecke genau in seinem Zeitplan schaffen.
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Es dauerte nicht lange, da war er schon eine dreiviertel Stunde unterwegs da kam er zum Großen Eichelberg. Hier in diesem Buchenwald, lag der Berg auf einer Höhe von 311 Meter. Von diesem Berg aus hatten man einen guten Ausblick auf die Wartburg. Er blieb eine Weile oben auf der Bergkuppe stehen und genoss die schöne Aussicht. Aber nicht zu lange. Dann ging er weiter. Dann ging es etwas hinauf zu einer alten Gerichtskiefer. Dann ging er auf und ab durch die Tiroler Platte bis er zum Rangenhof gelang. Insgesamt war er schon 1 Stunde und 30 Minuten unterwegs aber er hatte noch reichlich Puste. Auch die Beine wollten noch immer gehorchen, und seine Füße schmerzten auch noch nicht. Also bis jetzt war alles gut. Er kam am Clausberg vorbei und auch am Vachaer Stein, einem Obelisk und Wegweiser. Nach 2 Stunden und 40 Minuten war er am Hainichblick angelangt. Von hier aus hatte man eine gute Sicht auf den Nationalpark. Jens machte viel Fotos mit seinem Handy. Hier gab es so viel zu sehen. 1/2 Stunde später war er am Kreuzstein" Wilde Sau" angekommen. Dort stand eine Schutzhütte und ein Rastplatz war auch da. Hier in die Schutzhütte setzte er sich hinein
und aß seine Brote. Es waren schon viel Touristen da und auch viele die hier ebenfalls Rast machten. Viele Stimmen klangen hier durcheinander. Und er hörte immer wieder von den anderen Leute, wie schön es doch hier sei. Und sie hatten ja so recht, dachte Jens. Bis jetzt war er schwer begeistert von diesem Wanderweg. Er blieb ungefähr eine halbe Stunde in der Schutzhütte und machte sich dann langsam wieder auf den Wanderweg um weiter zu wandern. Es war nun 9 Uhr 35 Minuten spät. 3 1/2 Stunden war er schon unterwegs und er fühlte sich noch sehr gut. Beschwingt ging er den Rennsteig weiter hoch. Auf einmal dachte Jens er guckte nicht richtig. Ein Hund, oder was es vielleicht sogar ein Wolf kam ihm entgegen gelaufen. Er war ausgebüchst, der Hund. Und Jens hatte schon immer viel Angst vor Hunden. Meist machte er immer einen großen Bogen um diese Tiere. Jens hatte nun auch viel Angst, als der Hund auf ihn zulief. Und der Hund merkte das natürlich. Der Hund kam immer näher und weit und breit war kein Herrchen zu sehen. Es kam wie es kommen sollte. Der Hund sprang Jens an. Jens stolperte und knickte mit seinem Fußgelenk um und fiel hin. Da lag er nun und der Hund schleckte Jens sein Gesicht ab. Jens lag auf dem Boden und hatte Angst. Endlich kam ein junger Mann zu der Stelle, wo Jens lag mit dem Hund über sich. "Benno, was machst du denn für Sachen." Sofort nahm er den Hund an die Leine und zog ihn von Jens weg. " Ist Ihnen was passiert?" fragte der junge Mann. " Es geht schon," sagte Jens. Er versuchte aufzustehen, aber alleine ging das nicht. Der junge Mann hob ihn Hoch und stellte Jens wieder auf die Beine. " Es tut mir leid. Benno ist mir entwischt als ich die Leine anbringen wollte." Jens wollte ein paar Schritte machen. Doch er hatte sich den Knöchel verstaucht. "Ich kann nicht weitergehen. Mein linker Fuß tut weh."
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" Warten sie, ich helfe Ihnen. Natürlich bringe ich sie zum Arzt. Ich wohne nicht weit von hier. Mein Vater ist der Arzt in Hörschel. Mein Auto steht ganz in der Nähe. Ich fahre sie hin. Stützen sie sich auf mich." Jens stütze sich auf der Schulter des jungen Mannes ab. So verließen beide den Rennsteig und in der Nähe auf einem Parkplatz stand das Auto des jungen Mannes. Er fuhr Jens nach Hörschel wieder zurück. Das geht ja wirklich gut los, dachte Jens. "Gleich sind wir da, " sagte der junge Mann. Als sie ausstiegen und zu einem Haus gingen
mit einem Schild vor der Tür mit der Aufschrift: "Dr. med. Ulrich Westermann. Allgemeinmediziner. " Vor dem Haus sagte der junge Mann zu Jens: " Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Martin Westermann. Das ist mein Vater Ulrich. Ulrich Westermann fragte seinen Sohn was passiert war. Martin erzählte es kurz und daraufhin brachten sie Jens in die Praxis, die sich direkt in dem Privathaus von Ulrich Westermann befand. Ulrich Westermann kümmerte sich sofort um Jens und Martin entschuldigte sich noch einmal bei Jens. " Das sieht schlimmer aus als es ist," sagte DR. Westermann zu Jens. Der Knöchel war etwas geschwollen und hatte eine dunkelblaue Färbung. " Aber es tut ganz schön weh," sagte Jens. " Das glaube ich ihnen Herr..." Da bemerkte er dass er sich noch gar nicht vorgestellt hatte. " Ich heiße Jens Vogel. Aber Jens reicht aus. " Okay, Jens dann heiße ich aber auch Ulrich für Dich." " Und Ulrich wie schlimm ist es nun wirklich?" " Pass auf Jens. Dein Knöchel ist ein bisschen verstaucht. Ein bis zwei Tage Ruhe und dann geht es bestimmt wieder. Ich mache dir eine Sportsalbe auf den Knöchel und mache noch einen kleinen
Verband darum. Dann müsste es schnell wieder gehen. Wo wohnst du Jens?" " Hier in Hörschel. Ich bin zum Urlaub machen hier. Das war mein erster Tag hier auf dem Rennsteig." " Du hast nun ein bisschen Pech gehabt, aber ich bin mir sicher das du noch einen schönen Urlaub hier hast bei uns im Thüringer Wald.
Ulrich fuhr Jens mit dem Wagen in seine Pension und sagte er solle in zwei Tagen zu ihm kommen. Ulrich fuhr wieder. Jens hatte in dem ganzen Trubel ganz vergessen seine Frau Petra anzurufen. Sofort nahm er sein Handy und rief sie an. " Hallo Jens," sagte Petra, als sie den Namen ihres Gatten auf ihrem Handydisplay sah. " Hallo Petra. Ich muss dir was sagen," fing er gleich an zu erzählen. Ich hatte einen kleinen Unfall. Aber nichts großes. Ein Hund hat mich angesprungen und ich habe mir den Knöchel verletzt. Aber ich war schon beim Arzt und er sagte dass es nicht so schlimm sei." " Mensch, Jens muss mir doch keine Sorgen machen, oder?" " Nein brauchst du nicht, Petra. Ich bin soweit in Ordnung. Nur der Knöchel tut etwas weh. Aber meinen Urlaub werde ich verlängern müssen. Schließlich werden mir ja zwei Tage gestohlen von meinem Wanderurlaub. Und ich möchte doch den Rennsteig noch erwandern. Nun bin ich einmal hier." " Ja, kannst du doch auch. Ich habe nichts dagegen."
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" Das finde ich so richtig gut, mein Mäuschen. Du verstehst mich einfach am besten." Jens erzählte noch von dem Arzt und seinem Sohn die sich nun um ihn kümmern die nächsten zwei Tage. Als er sich von seiner Petra verabschiedete war es schon etwas später geworden.
Er ging früh ins Bett und er schlief auch gleich ein. Am nächsten Tag schonte er seinen Fuß wie Onkel Doktor es ihm geraten hatte. Er hatte einen kleinen Balkon an seinem Zimmer dran, und da setzte er sich drauf und las eine Zeitung. Das machte er den ganzen Morgen über. Immer den Fuß hochgelegt. So konnte die Schwellung des Knöchels zurück gehen. Ein Tag weiter rief er den Arzt Ulrich Westermann an und fragte ob er ihn abholen könnte. Ein paar Minuten später stand der Arzt vor der Pension, wo Jens Quartier bezogen hatte. Jens stieg in den Wagen und der Arzt fuhr mit Jens zu seiner Praxis und Ulrich untersuchte den Knöchel von Jens. Als er den Verband abgenommen hatte sagte Dr. Westermann." Das habe ich mir gedacht. Die Schwellung ist weg. Treten sie mal den Fuß vorsichtig auf." Jens ging ein kleines Stück im Arztzimmer auf und ab und er sagte: " Ich habe keine Schmerzen mehr, Herr Dr. Vielen Dank. Kann ich nun wieder weiter wandern über den Rennsteig." " Das können sie. Übrigens die Arztkosten brauchen sie nicht bezahlen die übernehmen wir. Und nun viel Spaß auf dem Rennsteig. Und wenn etwas sein sollte, egal was. Du hast meine Telefonnummer." " Alles klar" sagte Jens. " Und vielen dank noch einmal."
Jens machte sich auf zurück in seine Pension und es war schon etwas später, so dass er beschloss am nächsten Tag weiter zu gehen. Er kaufte sich noch einen neuen Wanderstock, und setzte sich noch ein bisschen auf seinen kleinen Balkon. Bis spät abends sah er den Touristen zu wie sie in Hörschel ihre Wanderung begannen. Es waren sehr viele Touristen. Und alle aus verschiedenen Ländern. Das konnte man gut sehen.
Früh am Morgen des nächsten Tages begann Jens seinen zweiten Versuch den Rennsteig zu erwandern. Wieder tauchte er seinen Wanderstab ins Wasser und nahm einen Stein vom Ufer mit. Dann ging er noch einmal dort lang, wo er die Tage schon entlang gewandert ist. Es machte ihm sichtlich Spaß in der Sonne zu wandern. Als er vier Stunden unterwegs war, war es 10 Uhr und er hatte die Hohe Sonne erreicht. Ein Etappenziel vom Rennsteig. Er wollte aber noch weiter wandern und zwar bis zum Rennsteighotel Hubertushaus das in Ascherbrück sich befand. Dort wollte er übernachten. Aber erst musste er von der Hohen Sonne bis zur Rennsteiggrotte, ein Felsüberhang mit Sitzbank. Und ganz in der Nähe war eine Schutzhütte, an der Wegekreuzung Zollstock. In dieser Schutzhütte machte er eine kleine Pause. Er trank einen schönen warmen Kaffee aus einer Thermoskanne und aß dazu zwei Butterbrote. Nach 5 1/2 Stunden hatte er Ascherbrück erreicht. Ca. 19 Kilometer Wegstrecke hatte er in den Beinen sitzen. Das reichte ihm voll und ganz.
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Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und so ging er in Ascherbrück gleich ins Hotel und auf sein Zimmer. Er legte sich auf sein Bett und er merkte was er geleistet hatte heute. Er war richtig platt, auf Deutsch gesagt. Abends ging er in das Speisegasthaus des Hotels. Er Bestellte sich Sauerbraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen. Das Restaurant war sehr voll. Beim Essen dachte er dass er die erste Etappe gut geschafft hatte. Eigentlich war das ja schon seine zweite Etappe. Okay, der Start war nicht so recht gelungen, aber es konnte nur besser werden. Nachdem er gegessen hatte und noch etwas getrunken, ging er auf sein Zimmer und schaute in die Wanderkarte. Morgen früh hatte er ca. 13 Kilometer vor sich. Denn seine nächste Rast morgen war die Herberge Großer Inselsberg. Die Nacht hatte er nicht so gut geschlafen, aber ein paar Stunden kamen doch zusammen. Er duschte morgens früh und frühstückte in aller Ruhe. Dann ging er seine Rechnung begleichen in dem Hotel. Er bedankte sich bei den Hotelangestellten für die schöne Unterkunft und ging dann mit Rucksack und Stock und Wanderkleidung wieder los um seine zweite Etappe zu schaffen. Von Ascherbrück aus ging es los. Er hatte eine bisschen Muskelkater. Es war doch ungewohnt für Jens so viele Kilometer auf den Beinen zu sein. Aber er dachte sich, gegen Muskelkater hilft Bewegung. Und Bewegung würde er ja heute wieder genug haben. Aber das wichtigste von allem war, dass er sehr viel Spaß am Wandern hatte. So ging er fröhlich und befreit über die weiteren Kilometer des Rennsteigs. Auch um diese frühe Zeit waren noch nicht viele Wanderer unterwegs. Er konnte also ganz alleine und ungestört die Natur mit den vielen Bäumen und den Tieren genießen. Der Weg steigt an bis er zur Schutzhütte an dem Ruhlaer Häuschen führt. Wenig später des Weges gab es viele Bänke und Tische am "Triniusblick" am "Höllkopf" und "Schweinaquelle". Etwa eine Stunde war er nun schon wieder unterwegs. Der Muskelkater war wie weggeblasen. Er setzte sich an einen der Tische, auf eine Bank und schüttete sich schönen warmen Kaffee ein und aß seine Brote, die mit Käse belegt waren, in aller Ruhe auf. Nun waren schon ein paar mehr Leute unterwegs. Ein bisschen unterhielt er sich mit einem Touristen über das Wetter und über diesen schönen Wanderweg. Der andere Mann war auch alleine unterwegs und wollte ebenfalls den Rennsteig erwandern. Auch er war vor zwei Tagen angekommen und war auch das erste mal hier. " Es ist aber auch wirklich schön hier," sagte Jens zu dem Mann. " Das kann man laut sagen. Ich wollte das schon länger machen, aber die Zeit hat immer gefehlt. Ich heiße Wolfgang." " Angenehm, Jens." Und schon hatte Jens einen Wanderkollegen gefunden. "Wolfgang bist du auch schon Rentner?"
" Dieses Jahr bin ich Rentner geworden." " Ich auch," sagte Jens. " Und ich gehe so gerne spazieren. Doch dieser Weg ist noch einmal eine größere Sache. Man muss ganz schön Ausdauer haben um hier zu bestehen." " Das stimmt, Jens. "
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